Wie ist Sylt enstanden?

Die Insel verdankt ihre Existenz einem geologischen Zufall. Die Gletscher der vorletzten Eiszeit (Saaleeiszeit, 240.000 bis 125.000 v. C.) transportierten ungeheure Mengen Geröll und Sand aus dem skandinavischen Raum nach Westen, die als Endmoränen nach der Eisschmelze hier liegen blieben. Reste dieses Materials sieht man überall auf der Insel. Viele Findlinge der Friesenwälle, die die Häuser umgeben und der unter dem Roten Kliff bei Kampen sichtbare Geestkern, sind Zeugen der Saaleeiszeit.

Die Weichseleiszeit endete vor etwa 11.000 Jahren. Sie erreichte die Westküste Schleswig-Holsteins nicht mehr ganz. Die riesigen Gletscher schmolzen ab. Das Schmelzwasser verursachte einen Anstieg des Meeresspiegels um 100 Meter und die Nordsee in der heutigen Form entstand. Von der ehemaligen Landmasse ragten nur noch Sylt, Föhr und Amrum als Inseln aus dem Meer. Seitdem haben Wind und Wellen, oft auch als Sturmfluten, Sylt immer wieder verändert. Besonders auffällig wird das an den beiden Inselenden, der Odde bei Hörnum im Süden und dem Ellenbogen ganz im Norden. Diese Inselgebiete sind Nehrungshaken, die sich erst im letzten Jahrtausend gebildet haben. Eine Nehrung entsteht, wenn mit den Wellen Sand angeschwemmt wird, trocknet und dann vom Wind zu Dünen aufgeweht wird.

Auf der dem Wind abgewandten Ostseite Sylts ist die Strömungsgeschwindigkeit bei Flut erheblich geringer. Dabei setzen sich ständig Schweb- und Sinkstoffe ab. Allmählich entsteht Watt. Dieses Watt wächst weiter und wird schließlich nicht mehr regelmäßig überflutet. Pflanzen siedeln sich an und nach und nach bildet sich Marsch. Die gesamte norddeutsche Tiefebene ist so entstanden. In Sylt  hatte sich Marsch zwischen der Insel und dem Festland gebildet. Zeitweise war sie dadurch mit dem Festland verbunden.

Bei vorherrschenden Winden aus westlicher Richtung verursachten Sturmfluten große Schäden und Landverluste. Eine der folgenschwersten war „Die große Mandränke“ im Januar 1362. Das in Jahrhunderten gewachsene Marschgebiet wurde in einer einzigen Sturmflutnacht weggerissen. Auch auf Sylt fielen dieser Jahrhundertflut Orte zum Opfer. Heute noch sichtbare Reste des alten Marschengebietes sind die Halligen.

Man versucht Sylt möglichst lange in der bestehenden Form zu halten. Seit über 35 Jahren wird an der Westküste Sand aufgespült, um den durch Herbst- und Winterstürme entstandenen Verlust auszugleichen. Das gelingt nicht immer, wie man an der Veränderung der Südspitze sehen kann. Doch nicht nur Sylt braucht den Küstenschutz, die Insel selbst ist ein Bollwerk gegen die ersten schweren Seen, die sonst ungehindert auf die schleswig-holsteinische Küste prallen würden.

Eines aber ist sicher: So wie die Naturgewalten Sylt in der Vergangenheit verändert haben, so werden sie die Insel auch in Zukunft verändern. Wie lange sich Menschen dagegen wirksam wehren können, bleibt eine spannende Frage.