
Algen vor Sylt
Die unterste Stufe der „Nahrungspyramide“ im Wattenmeer umfasst kleinste Algen: von ihnen ernähren sich direkt oder indirekt alle Tiere des Watts. Die meisten Arten gehören zu den Kieselalgen und sind nur unter dem Mikroskop zu erkennen. Im Sommer können bei günstigen Bedingungen bis zu 500 000 Algen in mehreren Schichten auf einem Quadratzentimeter leben. Diese Kieselalgen bilden eine Schleimschicht zwischen den Sandkörnern an denen sie Halt finden und können sich sogar fortbewegen. Bei Stürmen können die Schleimteppiche losreißen und die Algen im Boden begraben. Fernab von jeglichem Licht im Boden legen sie bis zum nächsten Sturm - der sie wieder ans Licht bringt - eine Ruhephase ein.
Großalgen spielen keine wesentliche Rolle bei der Produktion der Biomasse. Das Watt mit seinen immerwährenden Sandumlagerungen, den wenigen Ansatzstellen für Algen und dem trüben Wasser erschweren eine Ansiedlung von Großalgen. Dort, wo sie sich trotzdem finden, sind bei der Ansiedlung fast immer Tiere beteiligt, sei es, dass sie selbst als Verankerung dienen, oder dass sie durch ihre Grabtätigkeit für eine Verankerung sorgen. Die wenigen großen Algen können bis zu 5 Meter lang werden, wie der japanische Beerentang. Er gehört seit den 70er Jahren zu den Neuankömmlingen unter den Algen und stammt ursprünglich aus Japan.
Eine der auffälligsten Erscheinungen an den Stränden der Nordsee ist das regelmäßige Auftreten von Schaumbergen im Frühjahr. Diese entstehen beim Absterben der eiweißhaltigen Gallertmasse von Schaumalgen, einer zum Plankton gehörenden Alge. Nach einer starken Vermehrung, die auch „Algenblüte“ genannt wird kann der ungefährliche Schaum bei auflandigen Winden zu meterhohen Bergen an den Strand getrieben werden.
Die Zusammensetzung der Großalgen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten unter dem Einfluss des Menschen erheblich gewandelt. So haben Grünalgen durch den hohen Nährstoffeintrag in die Küstengewässer seit den 50er Jahren deutlich zugenommen. In den Sommermonaten können große Grünalgenmatten den Wattboden bedecken und zu ungünstigen Lebensbedingungen für die darunter lebenden Organismen führen. Der Rückgang der Braunalgen steht ursächlich mit dem Raubbau an Miesmuschelbänken des Gezeitenbereichs im Zusammenhang. Die Braunalge hat kaum eine Chance, sich gegen die Kräfte der Gezeiten zu behaupten ohne die Verspinnung mit Fäden, den sog. Byssusfäden der Miesmuscheln.
Zukünftige Veränderungen der Küstengewässer durch Meeresspiegelanstieg, globale Erwärmung, Zunahme extremer Wetterbedingungen, Nährstoffeinträge in die Küstengewässer und die Ansiedlung neuer Arten im Wattenmeer führen hier zu einer Veränderung des Algenvorkommens.


